Nachruf Kay Espenhayn
- Ihr Optimismus und ihr Lebensmut bleiben unvergessen -
Es sind nicht vorrangig ihre sportlichen Erfolge, die Kay Espenhayn unvergesslich gemacht haben. Vor allem ihr Lebensmut, ihr Optimismus, ihre Liebe zum Sport,
ihre Beharrlichkeit, mit der sie noch so weit entfernte Ziele ansteuerte und verwirklichte, werden in Erinnerung bleiben. In ihrem kurzen Leben verkraftete
sie viele Schicksalsschläge. Zuletzt hielt sie vor allem ein Gedanke am Leben: An den Weltmeisterschaften in Argentinien teilzunehmen. Sie hat es nicht mehr
geschafft. Kay Espenhayn ist gestern vormittag im Leipziger Krankenhaus St. Elisabeth im Alter von 34 Jahren für immer eingeschlafen.
Ihr Körper war nach Wochen und Monaten des künstlichen Komas zu geschwächt, ihr Immunsystem zu angeschlagen. Eine schwere Lungenentzündung machte ihr seit
langem zu schaffen, Leber, Herz und Nieren waren angegriffen, die Blutwerte entsprechend schlecht. Dabei hatte sie vor drei Wochen, als sie im Krankenhaus
ihren 34. Geburtstag beging, Hoffnung geschöpft. Endlich konnte sie die Intensivstation verlassen, sich mit ihren engsten Verwandten und Freunden wieder
unterhalten. Doch der scheinbare Aufwärtstrend erwies sich als trügerisch.
Seit 1993 war Kay Espenhayn nach einer missglückten Bandscheiben-Operation an den Rollstuhl gefesselt. Das Schwimmtraining beim Behindertensportverband
Leipzig wurde nun ihr Lebensinhalt. 1996 ging ihr sportlicher Stern mit ihren drei Goldmedaillen bei den Paralympics in Atlanta auf. Vier Jahre später
konnte sie diesen Triumph bei den Spielen in Sydney mit fünfmal Silber annähernd wiederholen. Doch weder die Farbe oder Anzahl der Plaketten bewegte die
Menschen als vielmehr die Art, wie Kay Espenhayn ihre Schicksalsschläge meisterte. Denn fast die gesamte Zeit zwischen den Olympischen Spielen verbrachte
sie wegen eines Nierenleidens in Kliniken. Außerdem hatte sich ihre Lähmung nach einem Autounfall verschlimmert. "Drei Mal bin ich dem Tod von der Schippe
gesprungen", sagte sie Anfang 2000, als sie wieder ins Wasser durfte und von Sydney träumte. Der Traum erfüllte sich. Mit Hanno Mertens hatte sie einen
Trainer an ihrer Seite, der sie immer wieder bremste, die Belastungen wohl dosierte. Er akzeptierte auch ihren Standpunkt: Sie wollte intensiv leben und
durch den Sport etwas erleben. Doch seit Januar dieses Jahres konnte sie nicht mehr in ihre geliebte Uni-Schwimmhalle. Die Gesundheit spielte nicht mehr
mit, wenngleich Kay nie klagte. Oft antwortete sie auf die Frage nach ihrem Befinden: "Heute geht's mir ganz gut, wenn nur nicht das hohe Fieber wäre."
Kay Espenhayn wurde sachsenweit zu einer bekannten Persönlichkeit, brachte durch ihren Bekanntheitsgrad den Behindertensport und das Leben Behinderter
ins öffentliche Bewusstsein. Sie gehörte zu den ersten Behindertensportlern überhaupt, die bei der alljährlichen Umfrage nach den "Sportlern des Jahres"
nicht länger auf einer Extraliste geführt wurden, sondern gegen die Nichtbehinderten antraten. In Sachsen lag sie 1996 ganz vorn. Auch 2000 und 2001
rangierte sie landesweit unter den Top drei. Als sie im November 2001 zur Botschafterin des Kinderhilfswerks Unicef gekürt wurde, sagte sie: "Ich habe
mich sehr gefreut, denn wir Behindertensportler werden nicht so oft für Werbezwecke ausgewählt. Es ist auch ein Erfolg für uns."
(...)
© Leipziger Volkszeitung vom Sonntag, 15. September 2002 Frank Schober
- Nachruf Kay Espenhayn -
Am 15. September 2002 ist Kay Espenhayn im Elisabeth Krankenhaus Leipzig ihrer schweren Krankheit im Alter von 34 Jahren erlegen, gegen die sie während
der letzten Monate tapfer und gefasst gekämpft hat. Der Behindertensport in Leipzig und Sachsen trauert um eine herausragende Athletin und Sportkameradin,
die trotz ihres voranschreitenden Handicaps in den vergangenen 10 Jahren ihre ganze Kraft dem Leistungssport gewidmet hat. Mit ihren herausragenden sportlichen
Leistungen und ihrem Auftreten hat sie ganz entscheidend das Weltniveau in ihrer Sportart mitbestimmt und zur Popularisierung des Behindertensports beigetragen.
Den Einstieg in den internationalen Wettkampfsport fand Kay Espenhayn mit den Europameisterschaften im Schwimmen für Behinderte 1995 in Perpignan, von denen
sie als vierfache Europameisterin und zweifache Vize-Europameisterin zurückkehrte. Es folgten die Paralympischen Spiele 1996 in Atlanta, hier wurde sie
dreimal Paralympic-Siegerin und gewann zweimal Silber sowie einmal Bronze. In Sydney 2000 gewann Kay Espenhayn fünfmal Silber und ein Jahr später zu den
Europameisterschaften 2001 in Stockholm wurde sie sechsfache Europameisterin und gewann eine Bronzemedaille. Darüber hinaus schwamm sie zahlreiche
Weltrekorde. Für ihre herausragenden sportlichen Erfolge wurde Kay Espenhayn zur Sportlerin des Jahres 1996 in Sachsen gewählt. Im Jahr 2001 wurde sie bei
der Sportlerumfrage in Sachsen Zweite und die Leipziger wählten sie zu ihrer Sportlerin des Jahres 2000 und 2001.
Wir trauern um Kay Espenhayn und werden sie in unvergessener Erinnerung behalten!
Wolfram Sperling
Präsident des BVL und des SBV
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letzte Änderung: 16.09.2007